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Hastedt trifft sechsmal am Panzenberg

Im vorletzten Spieltag der Saison 2017/2018 der Stark Bremen-Liga gewinnt der BSC Hastedt mit 6:1 beim überraschend schwachen Ex-Meister Bremer SV. Hastedt bot eine gute, engagierte und effiziente Teamleistung, die aber leider wieder von einer unschönen Szene überschattet wurde.

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Das Personal

Bremer SV-Trainer Fikri Cengiz Cakir hat seine Startformation im Vergleich zur 1:3-Niederlage am vorangegangenen Sonntag beim ESC Geestemünde auf vier Positionen verändert. Torhüter Malte Seemann war nicht mehr im Kader, für ihn stand der 21-jährige Pascal Jalloh zwischen den Pfosten; Reserve-Keeper Jonathan Grubich saß wie auch schon am Sonntag auf der Bank. Auch der Name des Verteidigers Emiljano Lundraxhiu tauchte nicht mehr auf dem Spielberichtsbogen auf, stattdessen begann der Ghanaer Isaac Kofi Donyina, der in Bremerhaven noch auf der Bank gesessen hatte. Auf eben diese Sitzgelegenheit verschlug es auch die Geestemünde-Starter Jan-Moritz Höler und Berkan Yildirim (beide Mittelfeld), sie wurden durch Necati Uluışık (war in Geestemünde nicht dabei) und Firas Tayari (saß auf der Bank) ersetzt.

Der BSC Hastedt hatte am letzten Wochenende die Leher Turnerschaft souverän mit 5:0 nach Hause geschickt, doch das Deli-Trainerduo entschied sich dennoch das Team an einigen Punkten zu verändern. So kehrte Innenverteidiger John-Dieter Thöle, der letzten Sonntag noch gefehlt hatte, auf seinen Startplatz zurück, für ihn musste Milad Mansoori auf die Bank weichen. Im Mittelfeld ersetzte Moussa Alawie den heute nicht zur Verfügung stehenden Mohamed Janine. Haris Lakic besetzte die zweite Sturmspitze neben Iman Bi-Ria, dafür nahm Affamefuna-Michael Ifeadigo vorerst neben dem Spielfeld Platz. Kurz vor Anpfiff sagte dann noch der eigentlich für die Startelf vorgesehene Youness Buduar aus dringenden privaten Gründen seine Teilnahme an dieser Begegnung ab, seinen Platz übernahm daher Angreifer Diyar Kücük.


Der Spielverlauf

Erste Halbzeit:

Im Vergleich zum letzten Besuch des BSC Hastedt Ende März im Viertelfinale des Lotto-Pokals hatten sich die Platzverhältnisse im Stadion am Panzenberg deutlich verbessert. Was damals noch ein butterweicher und matschiger Acker war erstrahlte nun in einer sauberen und ebenen grünen Fläche. Auch das Wetter passte, die Frühabendsonne strahlte freundlich über Bremen-Walle.

Auch das Spiel gestaltete sich freundlich, allerdings nur aus der Sicht des BSC Hastedt. Der übernahm nämlich vom Anpfiff an die Kontrolle über die Begegnung und konnte sich auch gleich die ersten drei Torchancen (Lakic in der 4., Alawie in der 8. und Faouzi in der 9. Spielminute) auf sein Konto gutschreiben lassen. Die Hausherren hatte große Mühe wenigstens so etwas ähnliches wie Offensivdruck aufzubauen, wofür der harmlose Kullerball von Quendrim Krasniqi (14. Minute) eine symbolische Szene war - kein Problem für Hastedts Keeper Jasin Jashari.

Besser machten es da die Gäste: in der 16. Minute hatte Haris Lakic den Ball am Fuß und sah den entscheidenden Sekundenbruchteil schneller als die gegnerische Verteidigung dass sich Marcus Kenneweg in eine hervorragende Position gebrachte hatte. Der Pass passte, der anschließende Schuss passte auch und dem in dieser Szene chancenlosen BSV-Keeper Jalloh passte es gar nicht beobachten zu müssen wie sich der Ball zum 0:1 ins Netz senkte.

Es dauerte lediglich zwei Minuten, dann waren wieder jede Menge Augenpaare auf den jungen Torwart gerichtet, der heute erst das zweite Bremen-Liga-Spiel seiner Laufbahn absolvierte. Grund für die erneute Aufmerksamkeit war die Tatsache dass von ihm nun erwartet wurde einen Strafstoß zu halten: Firas Tayari hatte Haris Lakic im Strafraum umgerissen, Schiedsrichter Cedric Philipp (SC Borgfeld) zeigte daraufhin auf den Elfmeterpunkt. Auch dieses Mal hatte Jalloh das nachsehen, dem scharf geschossenen Strafstoß von Iman Bi-Ria zum 0:2 hatte er nichts entgegen zu setzen (18. Minute).

Hastedt blieb weiterhin die dominierende Mannschaft, verhinderte erfolgreich dass der Bremer SV dem eigenen Gehäuse gefährlich werden konnte und stieß im Gegenzug immer wieder bedrohlich in den gegnerischen Strafraum vor. So auch Diyar Kücük, der in 24. Minute aus über 30 Metern Entfernung ein Hochgeschwindigkeitsgeschoss in Richtung Pascal Jalloh abfeuerte, die Hausherren hatten in diesem Moment großes Glück dass die Kugel nur lautstark gegen den rechten Pfosten klatschte.

Nach einer halben Stunde der erste Wechsel: der BSV-Verteidiger Isaac Kofi Donyina musste in der 30. Minute verletzungsbedingt gegen Jan-Moritz Höler ausgetauscht werden. Dem Verfasser dieser Zeilen ist leider nicht bekannt was sich Donyina hier zugezogen hat; der BSC Hastedt wünscht dem Defensivmann auf jeden Fall eine schnelle und vollständige Genesung.

Der Bremer SV kam nun ein wenig besser ins Spiel und schaffte es den BSC Hastedt minutenlang in seinem eigenen Strafraum und der unmittelbaren Umgebung festzunageln. Insgesamt fünf Eckbälle gab es um die 34. Minute herum für den Bremer Serienmeister, wobei BSC-Torhüter Jashari nur ein einziges Mal mit einer großartigen Parade eingreifen musste. Trotzdem schafften es die Gäste lange nicht sich aus dieser Umklammerung zu befreien.

Als dies dann gelang wurde es auch sofort wieder gefährlich für den Bremer SV. Haris Lakic hatte sich in der 40. Minute in eine aussichtsreiche Stellung gedribbelt, sein satter Schuss konnte von Jalloh um Haaresbreite noch um den Pfosten gelenkt werden. Die anschließende Ecke brachte nichts ein.

Tja, und dann gab es wieder eine dieser Szenen, über die ich es hasse schreiben zu müssen. Wir schreiben bereits die 43. Spielminute. Die Hauptdarsteller in diesem unrühmlichen Stück: BSV-Mittelfeldakteur Quendrim Krasniqi und sein Hastedter Gegenspieler Moussa Alawie. Letzterer hatte sich wegen eines Fouls in der 32. Minute bereits eine verdiente gelbe Karte abgeholt und nahm nun Krasniqi wenige Meter vor dem BSV-Strafraum auf äußerst rustikale Art und Weise den Ball ab. Hier hätte man vielleicht Foul pfeifen können, doch das Arbeitsgerät von Schiedsrichter Cedric Philipp blieb stumm. Nur Sekunden später kam dann die Revange von Krasniqi, der Alawie heftig anging und ihn dabei an den Hals fasste. Alawie stieg leider voll auf diese Provokation ein und so schnell wie ein Eisenspäne anziehender Magnet stießen fast sämtliche Spieler zu einer klassischen Rudelbildung am Ort des Geschehens zueinander. Es folgte minutenlanges Geschrei, Diskutieren und Gezeter auf und neben dem Platz, der Ball war währenddessen vom Hastedter Keeper Jashari aufgenommen worden. Der Unparteiische und sein Assistent hatten sich etwas abseits zu einer ausdauernden Beratung zusammengefunden, die als Resultat je eine glatt-rote Karte für Krasniqi und Alawie ergab (45. Minute). Krasniqi wird dem Bremer SV daher im letzten Ligaspiel beim Brinkumer SV fehlen, Alawie steht dem BSC Hastedt gegen die SG Aumund-Vegesack und höchstwahrscheinlich auch im Pokalfinale gegen den Blumenthaler SV nicht zur Verfügung. Zwei völlig überflüssige Sperren die mit etwas mehr Besonnenheit leicht zu vermeiden gewesen wären.

Den Schlusspunkt unter diese erste Hälfte setzte ein von Marcus Kenneweg getretener Eckball für den BSC Hastedt (45'+4 Minute), die aber nichts einbrachte.

Zweite Halbzeit:

Nun standen also nur noch 20 Männer auf dem Platz, allerdings waren nach dem Wiederanpfiff zwei neue Gesichter dabei. Die Hausherren brachten mit ihrer zweiten Auswechslung Stürmer Elson Pllumbi für seinen Offensivkollegen Nick Zander, der BSC Hastedt ersetzte in seinem ersten Spielertausch Flügelstürmer Diyar Kücük durch den offensiven Mittelfeldmann Hamudi Taha.

Die Partie lief nun deutlich verhaltener ab, es schien als hätten beide Teams einen Gang heruntergeschaltet was angesichts der heißblütigen Szenen vor dem Halbzeitpfiff vielleicht keine schlechte Idee war. Die dominierende Mannschaft blieb jedoch weiterhin der BSC Hastedt, mit zählbaren Folgen. In der 54. Minute schlenzte Kai Mehrtens die Kugel von der rechten Strafraumseite auf die linke, dort lauerte bereits der von der BSV-Abwehr sträflich vernachlässigte BSC-Kapitän Sedat Yücel und versenkte den Ball zum 0:3 im Tor.

Konzentration ist im Fußball essentiell, und wenn man diese schleifen lässt kann das blöd ausgehen. Hastedt war vermutlich noch im Jubelmodus als der zuvor eingewechselte US-Amerikaner Pllumbi plötzlich zum 1:3 traf und so den vorherigen Abstand wieder herstellte (55. Minute).

Der BSC Hastedt riss sich nun wieder zusammen und begann wieder sein effektives Flügelspiel aufzuziehen. Unablässig wurden die Außenbahnen beackert, beispielsweise von Dickson Cuukwudi Onyeulo: der Nigerianer schien heute mit vier Lungenflügeln nach Walle gereist zu sein und sammelte so viele Meilen dass er bei der Lufthansa dafür sicher ein eigenes Flugzeug bekommen hätte.

Die hohe Laufbereitschaft zahlte sich aus. Der nicht minder fleißige Elmehdi Faouzi zog, bereits an der Grundlinie angekommen, den Ball schön auf den im Rückraum lauernden Haris Lakic, der sich mit dem 1:4 nun auch in die Torschützenliste eintragen konnte (64. Minute).

Rund zehn Minuten später brachten beide Trainer nochmal frische Beinpaare auf den Rasen. Beim Bremer SV war für Mittelfeldspieler Necati Uluışık Feierabend, für ihn kam Angreifer Tugay Sonakalan in die Partie. Hastedt-Coach Gökhan Deli brachte Redouan Ahrirou für den ausgepowerten Elmehdi Faouzi (beide 69. Minute).

Die Gäste blieben weiterhin brandgefährlich während die Platzherren mit fortlaufender Spieldauer sichtbar abbauten. Das rief auch Reaktionen auf den Tribünen hervor: während die eine Seite mit der Fanvereinigung "Hauptsache Blau" ihre Anfeuerungsrufe intensivierten kam vom gegenüberliegend anwesenden Teil der Zuschauer immer häufigere und lautstärkere Unmutsbekundungen.

Haris Lakic hatte seinen Torhunger noch nicht gestillt, in der 73. Minute rauschte sein Schuss nur um Zentimeter am Tor vorbei. Ähnlich erging es Hamudi Taha, der in der 75. Minuten aus spitzen Winkel die Stabilität des Torpfosten prüfte.

Der BSC Hastedt nahm seine letzte Auswechslung vor: für Haris Lakic, der heute eine großartige Vorstellung abgeliefert hatte, kam in der 75. Minute Angreifer Affamefuna-Michael Ifeadigo ins Spiel. Und die Nummer 9 des BSC Hastedt rückte auch sofort in den Fokus: erst wenige Sekunden auf dem Platz stand er bei einem von Sedat Yücel getretenen Eckball goldrichtig und erhöhte die Führung auf 1:5.

Der Bremer SV zeigte nun kaum noch Gegenwehr und machte den Eindruck eines auf einer nächtlichen Landstraße stehenden Rehs das meint, die beste Art und Weise mit sich schnell nähernden Scheinwerfern fertig zu werden sei, sie zu hypnotisieren. Die Folge: Ifeadigo, der mit einem blitzschnellen Pass auf Iman Bi-Ria den Assist für das 1:6 durch die Hastedter Nummer 10 leistete (80. Minute).

Es blieb beim 1:6, lediglich ein harmloser Eckball durch Firas Tayari wurde vor dem Abpfiff noch registriert.


Der Ausblick

Der Bremer SV muss am letzten Spieltag der Stark Bremen-Liga auswärts beim Meisterschafts-Aspiranten Brinkumer SV antreten, das Spiel wird am Samstag, den 12. Mai um 15:00 Uhr angepfiffen. Der bereits als Ex-Meister feststehende BSV wird die Saison danach auf Platz drei oder vier beenden.

Zeitgleich mit dem Auftritt des Bremer SV in Brinkum hat der BSC Hastedt die SG Aumund-Vegesack auf der Sportanlage am Rollsportstadion zu Gast. Abhängig vom Brinkumer und vom eigenen Ergebnis kann Hastedt den BSV noch vom dritten Platz verdrängen, schlechter als der aktuelle vierte Rang wird's aber selbst bei einer Niederlage definitv nicht mehr.

Den Saisonabschluss feiert Hastedt jedoch erst am 21. Mai (Pfingstmontag), dann trifft der BSC im Finale des Lotto-Pokals (live in der ARD) ab 14:30 Uhr auf den Blumenthaler SV. Das Spiel wird im Stadion Obervieland in Bremen-Arsten ausgetragen.


Die Torschützen

SPIEL-

MINUTE

 

TORSCHÜTZEN BREMER SV

SPIEL-

STAND

 

TORSCHÜTZEN BSC HASTEDT

16'   0:1 M. Kenneweg (H. Lakic)
18'   0:2 I. Bi-Ria (Strafstoß, F. Tayari an H. Lakic)
54'   0:3 S. Yücel (K. Mehrtens)
55' E. Pllumbi (ohne Assist) 1:3  
64'   1:4 H. Lakic (E. Faouzi)
76'   1:5 A.-M. Ifeadigo (S. YÜCEL)
80'   1:6 I. Bi-Ria (A.-M. Ifeadigo)

Das Personal des Bremer SV

Startaufstellung:

30 JALLOH, Pascal (TW)  
3 JABER, Saijeh  
6 ULUİŞİK, Necati 69'
7 DONYINA, Issac Kofi 30'
8 KRASNIQI, Quendrim  45'  
9 KROGEMANN, Dominic  
10 TAYARI, Firas  
11 HÅKANSSON, Björn  
13 JABATEH, Vafing Meme  
16 ZANDER, Nick 46'
17 ARNHOLD, Alexander (C)  

Reserve:

1 GRUBICH, Jonathan (TW)  
5 HÖLER, Jan-Moritz 30'
14 CAKIR, Alper  
15 SONAKALAN, Tugay 69'
19 PLLUMBI, Elson 46'
23 GRONEWOLD, Tom Cedrik  
28 YILDIRIM, Berkan  

Trainer:

TR CAKIR, Fikri Cengiz  
Co ULUİŞİK, Necati  
Co FRÖHLICH, Jens  


Das Personal des BSC Hastedt

Startaufstellung:

12 JASHARI, Jasin (TW)  
5 THÖLE, John-Dieter  
6 LAKIC, Haris 75'
7 KÜCÜK, Diyar 46'
10 BI-RIA, Iman Saghey  
11 ALAWIE, Moussa  32' / 45'  
14 FAOUZI, Elmehdi 69'
16 YÜCEL, Sedat (C)  
19 MEHRTENS, Kai  
20 ONYEULO, Dickson Cuukwudi  
24 KENNEWEG, Marcus  

Reserve:

1 RICHTER, Lars (TW)  
3 MANSOORI, Milad  
9 IFEADIGO, Affamefuna-Michael 75'
13 TAHA, Hamudi 46'
22 AHRIROU, Redouan 69'
23 AZIRI, Florent  

Trainer:

TR DELI, Gökhan  
Co DELI, Samet  
Co GABEL, Jörg  


Sonstige Informationen zum Spiel

Termin: Freitag, 4. Mai 2018 (Anpfiff 18:45 Uhr)
Ort: Stadion am Panzenberg (Naturrasen)
Adresse: Landwehrstraße 4, 28217 Bremen
Schiedsrichter: Cedric Philipp (SC Borgfeld)
Schiedsrichter-Assistenten: Dennis Beuße und Malte Rudlof

Foto-Galerie

Fotos: Imke Huntemüller.