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Graues Wetter, graues Spiel: Hastedt schlägt OSC Bremerhaven

Das Spiel fügte sich harmonisch ins Bild der Witterung: in einer höhepunktarmen und grau-trüben Partie gewann der BSC Hastedt gegen den OSC Bremerhaven mit 5:1 und entledigte sich dieser Pflichtaufgabe gegen den Tabellenletzten zwar souverän, aber glanzlos.


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Ein Vater kehrt zurück

Der frisch gebackene Papa Dickson Onyeulo (mitte) im Gespräch mit Trainer Gökhan Deli (links) und Iman Bi-Ria (rechts).
Der frisch gebackene Papa Dickson Onyeulo (mitte) im Gespräch mit Trainer Gökhan Deli (links) und Iman Bi-Ria (rechts).

Über einen Monat lang stand sein Name nicht mehr auf dem Spielberichtsbogen, doch am Sonntag gegen den OSC Bremerhaven war er endlich wieder Teil der Mannschaft: Außenverteidiger Dickson Onyeulo war wieder da, seine ohnehin meist sonnige Laune war heute besonders fröhlich. Kein Wunder, schließlich ist der 26-jährige erst kürzlich Vater einer gesunden Tochter geworden. Da der gute Dickson aber noch etwas Trainingsrückstand mit sich herumschleppt erlebte er den Anpfiff erstmal von der Bank aus.

Mitten auf dem Platz stand beim Anstoß noch ein anderer Rückkehrer: Flügelstürmer Florent Aziri, der am vergangenen Wochenende beim 1:1 bei der BTS Neustadt aufgrund von Wadenbeschwerden vorsichtshalber ausgesetzt hatte, war wieder da und vertrat außerdem dem zur Zeit verletzten (aber als Zuschauer anwesenden) Youness Buduar als Mannschaftskapitän.

Ein weiterer bemerkenswerter Wechsel vollzog sich zwischen den Torpfosten: Stamm-Keeper Marcel Pfaar räumte seinen Platz in der Startelf zugunsten von Pascal Wiewrodt, dem mehr Spielpraxis verschafft werden sollte. Der Torhüter-Tausch war bereits seit längerem abgesprochen, sodass sich Pfaar mit dieser Situation auch problemlos anfreunden konnte: "Heute darf ich mal auf der Bank faulenzen!", sagte der Keeper vor Anpfiff mit einem Augenzwinkern.

Schlußendlich kehrte auch Trainer Gökhan Deli auf die Bank zurück, der beim Auswärtsspiel in der Neustadt am vorherigen Wochenende krankheitsbedingt von seinem Bruder Samet Deli vertreten wurde. Gökhan Deli weilte zwar auch als Zuschauer in der Neustadt, aber "ich war einfach zu platt, sodass ich nur einen Teil des Spiels gesehen habe und noch vor Abpfiff wieder verschwunden bin," so der Coach.

Zwei Tore und eine Explosion

Wer nun erwartet hatte dass der BSC Hastedt das Tabellenschlußlicht aus Bremerhaven wie einen Tsunami überrollen würde, der sah sich rasch getäuscht. Von Beginn an entwickelte sich eine Partie die sich hauptsächlich im Mittelfeld abspielte. Zwar zuckelte der Ball auch das eine oder andere Mal zumindest in die ungefähre Richtung eines der beiden Tore, doch eine wirklich brandgefährliche Situation erwuchs daraus nicht. Hastedt hatte sichtbar große Mühe den kompakten Defensivriegel der Seestädter zu überwinden, parallel dazu fehlten dem OSC die Mittel um ihrerseits das Tor von Pascal Wiewrodt scharf unter Feuer nehmen zu können. Das änderte sich erst in der 24. Minute als Ardian Kaloshi, der auf der Bremerhavener Abwehrreihe auf das Spielgerät lauerte, tatsächlich ein pfeilschnelles Zuspiel ergattern konnte und den Ball sofort in einer blitzartigen Bewegung im Tor von OSC-Keeper Barnabas Somogyi versenkte. Doch die Freude über diesen Treffer währte nicht lange, den ein heller Pfiff schallte über den Jakobsberg: Abseits, der Treffer zählte nicht, Kaloshi konnte es nicht fassen.

So blieb es erstmal beim torlosen Zwischenresultat dass durch ein Handspiel von Igor Filipe Rodrigues Casanova und die dadurch resultierende gelbe Karte in der 26. Minute einen ersten Farbtupfer erhielt. Es sollte nicht der letzte bleiben.

Der BSC Hastedt spürte nun aber die Verwundbarkeit der Gäste und erhöhte daher allmählich den Druck. Der Aufwand wurde belohnt: Elmehdi Faouzi wurde mit einer schräg nach vorne über den halben Platz fliegenden Flanke von Florent Aziri bestens versorgt und drosch den Ball zur lang ersehnten 1:0-Führung ins Netz (37. Minute).

Die Führung war da, doch der Torhunger der Hastedter noch lange nicht gestillt. Zum Glück gab es wenige Minuten später Nachschlag: Aziri schickte einen Eckball in den Bremerhavener Strafraum, wo sofort ein dichtes Kuddelmuddel entstand. Der 16 Minuten zuvor an der Abseitsfahne gescheiterte Ardian Kaloshi behielt die Übersicht und stocherte die Kugel zum 2:0 über die Linie (40. Minute).

Nur drei Minuten später kochten auf der anderen Seite des Spielfelds plötzlich die Emotionen hoch. Haris Lakic lieferte sich kurz vor der Grenze des eigenen Strafraums ein Laufduell mit OSC-Angreifer Lennart Schwitzer, der mit den Ball am Fuß auf BSC-Keeper Wiewrodt zustürmte. Lakic gelang es dem Bremerhavener den Ball abzuspitzeln, woraufhin er vom Gästestürmer im vollen Lauf so heftig gegen seinen eigenen Torwart geschupst wurde dass dieser kurze Zeit am Boden liegen blieb. Lakic schrie daraufhin lautstark auf Schwitzer ein und ließ sich kaum beruhigen. Mehrere Hastedter Spieler kamen herbeigeeilt um den erregten Mittelfeldmann von irgendwelchen Dummheiten abzuhalten, auch der zu diesem Moment zufällig direkt neben der Szene am Spielfeldrand stehende Vorstandsvorsitzende des BSC Hastedt Kai Wilkens nahm Lakic ins Gebet, ebenso Trainer Gökhan Deli, der dazu (offenbar mit Einverständnis des Schiedsrichters) extra über den ganzen Platz gelaufen kam. Nachdem Lakic nicht mehr unter Dampf stand schnappte sich Schiedsrichter Allen Chen sowohl ihn als auch Schwitzer und verpasste beiden die gelbe Karte (43. Minute), dem Hastedter wegen Unsportlichkeit und dem Bremerhavener wegen seines rüden Fouls, bei dem er absolut keine Aussicht hatte an den Ball zu kommen.

In der Halbzeitpause folgte dann die Auflösung des emotionalen Ausbruchs von Haris Lakic. Der hatte nämlich vor einigen Jahren eine fast identische Situation erlebt, war damals ebenfalls rüde und völlig überflüssig gefoult worden und hatte dabei seine Zunge verschluckt. Eine lebensgefährliche und traumatische Erfahrung, die Lakic nun so explodieren ließ. Dass er die Kontrolle über sich etwas verloren hatte sah er aber auch selbst ein: "Ich hätte nicht so hochgehen dürfen." An diesen Vorsatz hielt er sich für den Rest des Spiels dann auch.

Graue Tristesse und Torflut zum Schluss

Beide Teams kamen unverändert aus der Kabine und setzten nun ihre Bemühungen fort das Runde ins Eckige zu befördern. Gute Vorsätze und lautstarke Kommunikation untereinander waren vorhanden, doch davon abgesehen passte sich das Spiel den Witterungsbedingungen an: das Wetter war so grau dass dagegen selbst eine Haushaltsdebatte im Bundestag wie eine Raveparty in den 90er Jahren wirkte. Spannende Strafraumszenen waren akute Mangelware, sodass dem Verfasser dieser Zeilen nichts anderes übrig bleibt als die Spielerwechsel zu protokollieren um dieses Textfeld zu füllen.

Der erste Spielertausch fand in der 58. Minute statt: Stürmer Dennis Krefta hatte Feierabend, für ihn kam sein Offensivkollege Iman Saghey-Bi-Ria ins Spiel. Wechsel Nummer zwei folgte dann rund zehn Minuten später: Stürmer Ardian Kaloshi ging vom Platz und wurde vom Defensivmann Dickson Onyeulo ersetzt (68. Minute). Weitere zehn Minuten später kam dann noch Firat Kilic für seinen Mittelfeldkollegen Haris Lakic (78. Minute). Die Spielerwechsel des OSC Bremerhaven werden hier übrigens keineswegs unterschlagen, es gab während des gesamten Spiels schlicht keine.

So grau und öde die zweite Halbzeit bis zu diesem Zeitpunkt war, so turbulent wurden nun die letzten Minuten der Begegnung. In der 85. Minute zeigte der alte Mann dass er's noch kann: Iman Bi-Ria erhöhte für den BSC Hastedt auf 3:0. Doch noch während die Hausherren mit Jubeln oder wasweißich beschäftigt waren stellte Maurice Houeder den alten Abstand für den OSC Bremerhaven wieder her (86. Minute) und netzte zum 3:1 ein. Doch damit war der Torregen noch nicht vorbei: Marcus Kenneweg hatte auch noch Bock und erhöhte in der 88. Minute auf 4:1. Die Gäste waren nun sichtbar demoralisiert, leisteten kaum noch Widerstand und konnten so auch nicht verhindern dass Iman Bi-Ria mit seinen zweiten Tor zum 5:1 (90'+1 Minute) den Schlusspunkt unter dieses Spiel setzte.

Lehren fürs nächste Seestadt-Duell

Es war ein glanzloser, aber dennoch verdienter Sieg des BSC Hastedt. Die Hausherren vom Jakobsberg wussten die wenigen Tormöglichkeiten in dieser Begegnung cleverer und effektiver zu nutzen und standen in der Defensive so diszipliniert dass die Gäste vom OSC Bremerhaven kaum ein Mittel fanden um den Abwehrriegel zu knacken. In den letzten Minuten brach der OSC moralisch und konditionell massiv ein und ermöglichte so einen Hastedter 5:1-Heimsieg, der vielleicht ein kleines bisschen zu hoch ausfiel.

Hervorzuheben sind neben Torwart Pascal Wiewrodt, der seine Premiere in der Stark Bremen-Liga feierte, und Stürmer Iman Saghey-Bi-Ria, der heute zweimal traf (seine ersten Pflichtspieltore seit dem 8:0-Sieg im Lotto-Pokal beim TSV Grolland am 12. August 2018) auf jeden Fall Angreifer Elmehdi Faouzi, der gegen den OSC Bremerhaven im dritten Pflichtspiel hintereinander ein Tor erzielte. Das hatte in dieser Saison bisher noch kein anderer Hastedter Spieler geschafft.

Das nächste Spiel steht für den BSC Hastedt am Sonntag den 2. Dezember 2018 auf dem Programm, wenn ab 14:00 Uhr der ESC Geestemünde auf der Sportanlage Jakobsberg zu Gast ist. Dieses Duell mit dem Tabellenfünften aus Bremerhaven wird das vorletzte Pflichtspiel vor Silvester sein.


Die Statistiken zum Spiel

 

BSC HASTEDT – OSC BREMERHAVEN . . . . . 5:1 (2:0)

1:0_ Elmehdi Faouzi (37')

2:0_ Ardian Kaloshi (40')

3:0_ Iman Saghey-Bi-Ria (85')

3:1_ Maurice Hoeder (85')

4:1_ Marcus Kenneweg (88')

5:1_ Iman Saghey-Bi-Ria (90'+1)

 

BSC Hastedt: Pascal Wiewrodt – Inouss Bourai-Touré, Sören Tetzlaff – Max Buschermöhle, Haris Lakic (78' Firat Kilic), Marcus Kenneweg, Kai Mehrtens – Florent Aziri ©, Elmehdi Faouzi, Ardian Kaloshi (68' Dickson Chukwudi Onyeulo), Dennis Krefta (58' Iman Saghey-Bi-Ria). – Trainer: Gökhan Deli, Samet Deli, Yasin Orhan, Jörg Gabel.

OSC Bremerhaven: Barnabas Somogyi – Marek Kozel, Anton Vadimovic Krivolapov, Igor-Filipe Rodrigues-Casanova – Marcel da Graca Lopes ©, Maurice Hoeder, Dominik Schlegel, Lennart Schwitzer, Daniel Valach – Mehmet Ali-Fidan, Jordan D'Angelo Watson. – Trainer: Björn Böning, Roman Opalka.

Nicht eingesetzte Reservespieler: Marcel Pfaar (Torwart), Gökhan Deli – Ansar Pazhigov (Torwart), Beka Giorgadze, Yannis Gernhoff, Ben Fricke, Roman Opalka.

 

Schiedsrichter: Allen Chen (TuS Komet Arsten). – Assistenten: Jennifer Rehnert (TSV Osterholz-Tenever), Leonardo Saciri (TV Bremen-Walle 1875).

Gelbe Karten: Haris Lakic – Igor-Filipe Rodrigues-Casanova, Lennart Schwitzer. – Gelb-Rote Karten: keine. – Rote Karten: keine.


Schiedsrichter auf Kriegsfuß mit dem DFBnet?

[Kommentar von Thilo Huntemüller, Medienbeauftragter des BSC Hastedt]

 

Bei der Durchsicht des vom Schiedsrichter-Team nach dem Spiel verfassten elektronischen Spielbericht, auf dessen Grundlage auch die Veröffentlichungen auf fussball.de erfolgen, sind mehrere Fehler aufgefallen. So wurde beispielsweise die Einwechslung von Iman Saghey-Bi-Ria (er kam in der 58. Minute für Dennis Krefta) für die 37. Minute angegeben, was umso auffälliger ist da es in der ersten Halbzeit überhaupt keine Auswechslungen gab. Auch die Tor-Reihenfolge ist falsch: Iman Saghey-Bi-Ria traf in der 85. Minute erst zum 3:0 ehe dem OSC Bremerhaven eine Minute später der Anschlusstreffer zum 3:1 gelang, im DFBnet wurde die Reihenfolge dieser beiden Treffer vertauscht. Diese Fehler wurden in diesem Bericht hier korrigiert wiedergegeben und decken sich daher nicht mit den auf fussball.de veröffentlichen Informationen.

Während des Livetickerns war ich ferner der Überzeugung Mehmet-Ali Fidan als Torschützen des einzigen Treffers des OSC Bremerhaven erkannt zu haben, die Schiedsrichter gaben jedoch Maurice Hoeder als Torschützen ins DFBnet ein. Da ich mir in diesem Fall nicht völlig sicher bin habe ich hier den Eintrag der Schiedsrichter übernommen. Ferner fiel auch auf dass die Trikotnummern, welche die Bremerhavener Spieler während der Partie trugen, mit denen in der zuvor freigegebenen Spielerliste teilweise nicht übereinstimmten. Eine Identifizierung der Spieler fiel dadurch schwer, auch weil der OSC Bremerhaven dem Vernehmen nach seine Spielerpässe nicht dabei hatte. Dies wurde im elektronischen Spielbericht nicht vermerkt.

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